Text und Foto: Emily Thoß
Am Abend des 23. Januar trafen sich die S4-Englischkurse vor dem Audimax auf dem Gelände der Uni Hamburg. Dabei ging es ausnahmsweise nicht um das Thema Berufs- und Studienorientierung, was man für gewöhnlich mit einem Unibesuch in der Oberstufe verbindet, sondern wir schauten uns eine Theateraufführung der „University Players“ an. Bei den University Players handelt es sich um eine Theatergruppe der Uni Hamburg, die englischsprachige Stücke auf dem Unigelände präsentiert und bereits seit 1980 existiert, was sie zu einer der ältesten Gruppierungen dieser Art in Deutschland macht.
An besagtem Abend spielten die University Players zwei Stücke, zunächst „Trifles“ und anschließend „The American Dream“.
Bei „Trifles“ von Susan Glaspell handelt es sich um die Geschichte eines ermordeten Ehemanns und seiner verhafteten tatverdächtigen Frau. Das Stück beginnt mit zwei Polizisten, die in dem verlassenen Haus des Paares nach belastenden Beweisen suchen, um Mrs. Wright, die Ehefrau des Verstorbenen, überführen zu können. Jedoch werden sie nicht fündig, was einerseits an ihrem oberflächlichen Vorgehen, andererseits aber auch an zwei Nachbarinnen liegt, die nach und nach die Wahrheit über den gegenüber der Frau gewaltsamen Ehemann aufdecken und von den Männern übersehene Beweise verstecken, um der Frau zu helfen und eine Anklage gegen sie unmöglich zu machen.
Bei dem Stück handelt es sich um eine besondere Art des Kammerspiels, das sich aus Dialogen und kurzen Unterbrechungen bestehend aus eingeblendeten Videosequenzen aus dem Leben der Ehefrau mit ihrem Mann zusammensetzt, in denen die Demütigungen und die Gewalt, die sie in ihrer Ehe erlebt, angedeutet werden. Es endet mit von den Schauspielern eindringlich präsentierten Statistiken zum Thema Gewalt gegen Frauen, die auch zeigten, warum das Thema heute noch so aktuell ist.
In dem absurden Theaterstück „The American Dream“ von Edward Albee, das im Anschluss an „Trifles“ gespielt wurde, geht es – wie der Titel bereits erahnen lässt – um die Bedeutung des Amerikanischen Traums. Es spielt im Haus einer Familie, bestehend aus „Mommy“, „Daddy“ und „Grandma“. Im Laufe des Stücks bekommt die Familie Besuch von Ms. Barker, die, wie sich später herausstellt, Mommy und Daddy ein Adoptivkind vermittelt hat. Auch ein junger Mann, die Verkörperung des American Dream, stößt später zu der Gruppe hinzu.
Nicht selten blickte man während des anderthalbstündigen Stücks in ratlose Gesichter um sich herum; warum beispielsweise die Großmutter fortwährend buntbemalte Pappkartons über die Bühne trug und stapelte, musste in der nächsten Englischstunde erst einmal ausführlich besprochen und diskutiert werden. Die stark überzeichneten Figuren verstärkten die Tragik der Handlung, die auch ein von Mommy und Daddy getötetes Kind beinhaltete, weil es den Ansprüchen der Eltern nicht gerecht wurde.
Ob nun am Ende alles verstanden oder nicht – beide Stücke regten definitiv zum Nachdenken an.


