Auf der Suche nach der Wahrheit 

Szenische Lesung aus „Der Unheimliche“ – Theaterstück von Robert Muller

Am 18.05. erinnerten Schüler:innen des Jahrgangs 11 mit einer Veranstaltung im Rahmen der Reihe von „Denk Mal am Ort“ an Robert Muller, der in diesem Jahr einhundert Jahre alt geworden wäre.

Robert Muller wuchs in Hamburg-Eppendorf als Robert Müller auf und besuchte ab 1935 unsere Schule, bevor er als 13-Jähriger 1938 mit einem Kindertransport nach Großbritannien gehen musste, um der Verfolgung in NS- Deutschland zu entgehen. Seinen Eltern konnten ihm nach England folgen, seine geliebte jüdische Großmutter Elsa Schickler jedoch blieb in Hamburg. Muller wurde später ein in Großbritannien wie Deutschland erfolgreicher Journalist, TV- und Theaterautor.

Zu seinem Gedenken bereiteten auf Initiative von Herrn Kolb von der Geschichtswerkstatt Eppendorf Hans Angerer, Martha Franzius, Luise Hentschel, Emmy Mehler, Jacob Moffat, Aenne Piening, Sienna Uhlemann und Mina Wagner (alle S2) in Eigenarbeit neben dem Unterrichts eine szenische Lesung aus Mullers Theaterstück „Der Unheimliche“ (1996) vor.

Sie recherchierten den historischen Hintergrund und nahmen Kontakt zu Zeitzeugen auf. Sie wählten Szenen aus dem Stück aus, in dem Muller sich mit der eigenen Identität, dem Schicksal seiner Großmutter und dem Umgang Deutschlands mit der NS-Vergangenheit auseinandersetzt.

Der Protagonist des Stückes ist Sir Rudolf Ulmer, ein deutsch-britischer Verleger, der 1938 mit seinen Eltern vor den Nazis aus Hamburg nach Großbritannien geflohen war. Als ihm bei einem Besuch in Hamburg ein Jugendfreund erzählt, dass seine in NS-Deutschland verbliebene geliebte Großmutter nicht – wie in der Familie überliefert – an einer Lungenentzündung verstorben, sondern plötzlich „verschwunden“ sei, begibt er sich auf Spurensuche. Muller, voller Sympathien für seine Heimatstadt, stößt jedoch auf eine Mauer des Schweigens – und auf Menschen, die jede Verantwortung für die Verbrechen der Vergangenheit von sich weisen, so auch für die Deportation und den Mord an seiner Großmutter.

Nach der szenischen Lesung bot ein Interview der Schüler:innen mit Frau Müller-Wesemann, einer langjährigen Freundin Mullers, weitere interessante Einblicke in Mullers Leben zwischen Hamburg und Großbritannien und die Aufarbeitung von Hamburgs NS-Vergangenheit. 

Dass an Mullers alter Schule Schüler:innen an sein Leben erinnerten, war für die zahlreichen Besucher:innen, insbesondere auch für die sieben Nachkommen Mullers, die extra aus Großbritannien angereist waren, eine bewegende Erfahrung. Dabei hat Mullers Lebensthema, die Erfahrung von Flucht, Exil und Rückkehr, in der heutigen Zeit globaler Fluchtbewegungen wieder an Aktualität gewonnen.

Höre Sie hier einen Audio-Beitrag von NDR-Kultur. Er wurde als Vorbericht am 16.5.2025, für die Veranstaltungen zu DENK MAL AM ORT gesendet,

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