Machtmissbrauch, sexuelle Gewalt – Themen, die heutzutage uns allen ein Begriff sind und die durch Bewegungen wie „Me Too“ neue Sichtbarkeit gewonnen haben. Immer wieder hören wir von Menschen in Machtpositionen, die ihre Stellung missbrauchen – in der Politik, in der Wirtschaft, in der Justiz. Ein Problem, das in der heutigen Zeit zunehmend an Aufmerksamkeit und Bedeutung gewonnen hat, jedoch seit Jahrhunderten besteht. Und so verwundert es kaum, dass Heinrich von Kleist diese Thematik zum Ausgangspunkt seines 1808 uraufgeführten Lustspiels „Der zerbrochne Krug“ machte.
Vordergründig geht es um einen Krug, der – zerbrochen aufgefunden – Anlass zu Ärger und Spekulation bietet: Wer hat den Krug zerbrochen, als er des Nachts die Kammer von Eve aufsuchte? Wie ist es um Eves Sittsamkeit bestellt, da sie – von ihrem Verlobten ertappt – nächtlichen Besuch empfängt? Und wieso kann es dem Richter Adam, sobald der Fall um den zerbrochenen Krug vor Gericht gebracht ist, nicht schnell genug gehen, einen der Verdächtigen, den Ruprecht oder Lebrecht – das sei ihm ganz gleich –, zu verurteilen?
Heinrich von Kleist entspinnt einen spannenden – und auf den zweiten Blick – hochgradig aktuellen Kriminalfall, der den Ausgangspunkt der (True) Crime-Podcasts bildet, die einige Schülerinnen und Schüler des zwölften Jahrgangs im Deutschkurs von Frau Kummerfeldt erstellt haben. Darin lassen sich nicht nur die Antworten auf die obigen Fragen finden, sondern auch vielfältige Parallelen zwischen dem im 17. Jahrhundert in einem niederländischen Dorf situierten Gerichtsprozess und dem Leben in unserer heutigen Gesellschaft.


